Value Streams: Die Zukunft des Commerce-Betriebs
Ein mittelständischer Hersteller führt eine neue Produktlinie in drei europäischen Märkten ein. Die Einführung erfordert Katalogaktualisierungen im PIM, marktspezifische Preisregeln im ERP, Bestandszuordnung über vier Lager, Storefront-Merchandising im CMS und automatische Benachrichtigungen an 200 Großhandelskunden. Sechs Systeme, vier Teams, ein Termin. In den meisten Unternehmen läuft dieser Prozess über E-Mails, Tabellen und das Erfahrungswissen einzelner Mitarbeiter. Nichts geht kaputt. Alles dauert nur dreimal so lange wie nötig.
Genau diese operative Lücke schließen Commerce Value Streams. Nicht durch eine weitere Integration oder ein weiteres Dashboard, sondern indem sie die durchgängige Logik definieren, wie Commerce-Prozesse tatsächlich ablaufen - und diese Logik sichtbar, messbar und anpassbar machen.
Die operative Lücke, die Architektur allein nicht schließt
Die Commerce Plattform Anbieter haben ein Jahrzehnt über Architektur diskutiert: monolithisch vs. composable, headless vs. traditional, MACH vs. Suite. Berechtigte Entscheidungen. Aber sie betreffen die Struktur von Systemen, nicht den Betrieb von Commerce.
B2B-Unternehmen geben schätzungsweise 60–70 % ihrer Commerce-IT-Budgets für die Aufrechterhaltung bestehender Prozesse aus - nicht für den Aufbau neuer Fähigkeiten. Die versteckten Kosten von Custom Code, die sich in BFF-Schichten, Middleware und manuellen Workarounds ansammelt, binden Ressourcen, die eigentlich Wachstum treiben sollten. Diese Kosten entstehen unabhängig davon, ob die Architektur monolithisch oder composable, ERP-nativ oder headless ist.
Was die meisten Plattformen als Orchestrierung bezeichnen, ist in Wirklichkeit API-Routing - die Verbindung von System A mit System B. Ein Workflow-Tool oder Flow Builder kann einzelne Schritte automatisieren. Aber Reaktionen zu automatisieren ist nicht dasselbe wie Ergebnisse zu orchestrieren. Der durchgängige Prozess über Systeme, Teams und Entscheidungspunkte hinweg bleibt ungesteuert. Hier enden die meisten Commerce-Plattformen - und hier beginnen Value Streams.
Was ein Commerce Value Stream tatsächlich ist
Ein Value Stream ist durchgängige Logik, die Systeme, Prozesse und Menschen zu einem kohärenten, ergebnisorientierten Ablauf verbindet. Er ist die operative Einheit des Commerce: ein vollständiger Prozess, der einen Auslöser - eine Kundenaktion, ein Systemereignis, eine Geschäftsbedingung - aufnimmt und alles orchestriert, was für ein definiertes Ergebnis erforderlich ist.
Was Value Streams strukturell von Workflows, State Machines oder Integrationsschichten unterscheidet, ist die Vereinigung dreier Ebenen, die typischerweise getrennt verwaltet werden:
Customer Journey
Was der Kunde an jedem Touchpoint erlebt. Ein Value Stream stellt sicher, dass kundenorientierte Schritte widerspiegeln, was das Unternehmen tatsächlich im Hintergrund tut—nicht eine verzögerte Annäherung daran.
Geschäftsprozesslogik
Die operativen Regeln, die Entscheidungen steuern: Bonitätsprüfungen, Genehmigungsworkflows, Preisausnahmen, Bestandszuordnung. In einem Value Stream ist diese Logik explizit, im No-Code-Modeler sichtbar und von Fachteams ohne Entwicklerabhängigkeit anpassbar. Das unterscheidet sich grundlegend von Ansätzen, bei denen Entwickler State Machines konfigurieren oder Custom Code für jede Prozessänderung schreiben müssen.
Datenfluss
Die Bewegung von Informationen zwischen Systemen, aufgebaut auf einem Semantic Commerce Data Layer—unabhängig von einem einzelnen ERP-Anbieter. Er versteht und vereinheitlicht Commerce-Datenstrukturen und erkennt, dass eine „Bestellung“ im ERP, eine „Transaktion“ im Zahlungssystem und ein „Versandauftrag“ in der Logistik Aspekte desselben geschäftlichen Vorgangs sind.
Drei Reifegrade des Commerce-Betriebs
Stufe 1 – Manuelle Übergaben. Prozesse hängen davon ab, dass Menschen Informationen zwischen Systemen weiterleiten. Kunden-Onboarding dauert Tage, weil jemand manuell Bonität prüft, Konto anlegt, Preise zuweist und Vertrieb informiert. Für viele Hersteller und Großhändler noch Alltag.
Stufe 2 – Automatisierte Einzelschritte. Einzelne Aufgaben sind automatisiert—eine E-Mail bei Bestellbestätigung, eine API für Bestandsdaten, ein Flow Builder für Statusänderungen. Aber der Gesamtprozess wird nicht gesteuert. Bei Ausnahmen fällt er in manuelle Bearbeitung zurück. Die meisten Unternehmen mit Composable-Architekturen oder ERP-nativen Commerce-Plattformen befinden sich hier.
Stufe 3 – Orchestrierte Value Streams. Der gesamte Prozess ist definiert, sichtbar und als ein Fluss gesteuert. KI-Agenten analysieren und handeln – und übergeben gezielt an Menschen, wenn es auf Urteilsvermögen ankommt: ein unklares Risikoprofil, eine Preisanfrage außerhalb definierter Parameter. Mit vollem Kontext, ohne Medienbruch. Human-in-the-loop ist kein Fallback – es ist eine bewusst gesteuerte Übergabe im Prozess. Fachteams passen Logik über den Visual Process Modeler ohne Code-Änderungen an. Process Intelligence von Celonis identifiziert Engpässe frühzeitig. Hier wird autonome Commerce-Ausführung zur operativen Realität.
Commerce Value Streams in der Praxis
Emporix liefert vorkonfigurierte, anpassbare Value Streams für die gängigsten B2B-Commerce-Prozesse:
Kunden-Onboarding: Ein neuer Großhändler registriert sich. Der Value Stream löst Bonitätsprüfung aus, ordnet den Kunden dem Segment zu, wendet vertragsspezifische Preise an, verschickt den Vertrag per E-Signature und benachrichtigt den Vertrieb. Was Tage dauert, ist in Minuten erledigt.
PDF-Bestellautomatisierung: Ein KI-Agent liest eine PDF, extrahiert Positionen, validiert gegen den Katalog, prüft Verfügbarkeiten und erstellt die Bestellung. AmerCareRoyal (ACR) reduzierte so die Bestelldurchlaufzeit um 80 %. Einzelne Bestellungen zu automatisieren ist ein Anfang. Den gesamten Prozess von Eingang über Fulfillment bis zur Ausnahmebehandlung zu orchestrieren ist der strukturelle Vorteil.
Überbestands-Promotion: ERP-Bestandsdaten lösen automatische Bewertung von Langsamdrehern aus. Der Value Stream generiert zielgruppenspezifische Aktionen über die richtigen Kanäle—ohne Tabellen oder Kampagnen-Briefings.
Warenkorbabbrecher-Recovery: Wenn ein B2B-Einkäufer Artikel im Warenkorb lässt, bewertet der Value Stream strategische Bedeutung, Warenkorbwert und Produktkategorie vor der passenden Maßnahme: Erinnerung, Vertriebsbenachrichtigung oder personalisiertes Angebot.
Was das für Ihre Organisation bedeutet
Für Digital- und Commerce-Verantwortliche: Statt Anforderungen zu spezifizieren und auf Entwicklungssprints zu warten, modellieren und passen Fachteams Prozesse direkt an. IT definiert Governance und Integrationsstandards; Fachteams arbeiten innerhalb dieser Leitplanken.
Für IT-Verantwortliche: Value Streams reduzieren die Custom-Code-Last—unabhängig von Ihrem ERP-Anbieter. Jede hart entwickelte Logik muss bei jedem Systemupdate gewartet werden. Value Streams verlagern sie in eine verwaltete Schicht. Ergebnis: bis zu 40 % schnellere Time-to-Market und bis zu 35 % geringere Betriebskosten.
Drei Fragen zur Standortbestimmung: Wie viel Commerce-Logik steckt in Custom Code, den nur zwei Personen verstehen? Wie lange dauert eine neue Preisregel oder ein neuer Onboarding-Prozess tatsächlich? Und kann irgendjemand im Unternehmen sehen, wie Ihre Commerce-Prozesse durchgängig funktionieren?
Von Projekten zu Betrieb: Die Weichenstellung
Die führenden Unternehmen haben nicht unbedingt die modernste Architektur oder die tiefste ERP-Integration. Es sind die, die ihre Commerce Value Streams mit Geschwindigkeit, Transparenz und Anpassungsfähigkeit betreiben. Hören Sie auf, Commerce zu bauen. Beginnen Sie, es zu betreiben.
Value Streams machen diesen Wandel konkret—sie verwandeln Integrationen, manuelle Übergaben und fragmentierte Geschäftsprozesse in klare, orchestrierte, messbare Abläufe unter der Kontrolle Ihrer Fachteams.
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